• Wir, Einwirkzeit, wünschen Ihnen ein gesundes neues Jahr 2016, verbunden mit einem herzlichen Dank für Ihr Vertrauen, welches Sie uns entgegen gebracht haben.

      Wir haben uns sehr über Ihren Besuch in unseren Vorstellungen gefreut und bedanken uns für Ihre wohlwollende Unterstützung und für viele intensive Gespräche nach den Vorstellungen.
      Wir hoffen, Sie bleiben uns verbunden.

      Wir informieren Sie an dieser Stelle in Kürze über unsere Planungen für die kommende Spielzeit.

      Mit herzlichen Grüßen,
      Einwirkzeit


      Der Zopf im Kopfe
      Einst hat man das Haar frisiert,
      Hat’s gepudert und geschmiert,
      Dass es stattlich glänze,
      Steif die Stirne begrenze.

      Nun lässt schlicht man wohl das Haar,
      Doch dafür wird wunderbar
      Das Gehirn frisieret,
      Meisterlich dressieret.

      Auf dem Kopfe die Frisur,
      Ist sie wohl ganz Unnatur,
      Scheint mir doch passabel,
      Nicht so miserabel,

      Als jetzt im Gehirn der Zopf,
      Als jetzt die Frisur im Kopf,
      Puder und Pomade
      Im Gehirn! – Gott Gnade!

      Justinus Kerner (1786-1862)




      • Einwirkzeit 2015
        ©Max Hernn

        • Zuhause

        • Zuletzt zeigten wir ZUHAUSE
          von Ingrid Lausund
          Ein Theaterabend über uns und unsere Einrichtungsversuche
          Im Königreich, Friedensallee 26

        • Mint und Hellblau gegen ein bedrohliches Außen, Gemütlichkeitsrituale gegen Panikattacken, die perfekt geputzte Küche als pseudo-sakraler Raum.
          Ein Abend über wackelige Lebensfundamente und sanierungsbedürftige Innenräume – über das Unbehaustsein in modernen Zeiten.
          Emotionale Rohrbrüche vorprogrammiert!

          Mit Samantha Hanses und Martin Maecker
          Musik Natalie Böttcher (Akkordeon)
          Regie und Bühne Heike Skiba
          Regieassistenz Nina Schnackenbeck
          Dramaturgie Nina Schnackenbeck, Heike Skiba
          Einwirkzeit e.V. (www.einwirkzeit.de)

          Textrechte Suhrkamp Theater & Medien

          Und das sagt die Hamburger Presse:

          Hamburgtheater.de, 3.11.2014

          Zuhause, Einwirkzeit
          Der Aufstand des Zielgruppensofas Leander

          Von Birgit Schmalmack

          Er hatte seine Rebellion so gut geplant. Nein, er wollte nicht das stylisch glatte Designersofa, das so gut zu seinem durchgeplanten Gutsituierten-Apartment passen würde, kaufen. Er würde diesmal das rote Rosensofa aus der Zielgruppe "Horst" erwerben. Er wollte endlich wieder etwas Rock `n`Roll in sein Leben bringen. Doch dann sieht er diese Hochglanzbroschüre, in der genau dieses geschmacklose Kitsch-Sofa als der neueste Trend der Individualisten aus der Zielgruppe "Leander" angepriesen wird. So war auch sein rebellischer Impuls schon längst von den Trendforschern vorhergesehen worden. Er ergibt sich und zahlt mit seiner Visa-Gold.

          Sie hatte sich den Abend in ihrer harmonisch ausgestatteten Wohnzimmerwohlfühloase nach einem anstrengenden Arbeitstag so schön vorgestellt. Alles ist perfekt, nur ihre Emotionen wollen sich einfach nicht werbungsgemäß einstellen. Auch eine genaue Analyse ihrer Gefühlslandschaft, die sie ebenfalls streng nach Ratgeberleitfaden durchspielt, bringt nicht das versprochene Wohnwohlgefühl. Immer quetscht sie sich auf der grünen Holzleiter in eine neue Position, die angeblich die Glücksschwemme auslösen soll, doch die Zuhauseemotion stellt sich einfach nicht ein.

          Der Mann hat den weiteren Kredit nicht bewilligt bekommen, stattdessen droht ihm die Bank mit der Zwangsvollstreckung des Hauses. Das Zuhause soll seiner fünfköpfigen Familie geraubt werden. Die Schande, ein Versager, der seine Familie nicht versorgen kann, zu sein, raubt ihm den Schlaf. Immer wieder dreht er sich in dem kleinen grauen Oldtimer von einer Seite auf die andere, reißt das Dachfenster auf, streckt seinen Kopf heraus und sucht nach Lösungswegen. Verliert er sein Haus, verliert er sein Leben. Nachdem er die Ermordung seiner gesamten Familie verworfen hat, plant er seinen Selbstmord am nächsten Wochenende.

          Diese und drei weitere Episoden hat sich Ingrid Lausund für ihr Stück "Zuhause" ersonnen, das jetzt von der Gruppe "Einwirkzeit" inszeniert wurde. Wieder einmal hat sich diese besondere Theatergruppe einen besonderen Spielort für ihr Vorhaben ausgesucht: Die gemütliche Einrichtungslocation "Königreich" in Ottensen. Hier sitzt man an langen Tischen, in lauschigen Sitzrunden oder in tiefen Sofas wie in einem großen Wohnzimmer bei Kerzenschein und Wein. Beginnt der Abend auch noch sehr vergnüglich, drängen sich bald die makabren Elemente ins behagliche Zuhause. So verursacht der Bericht des Mannes, der stocksteif wie ein demnächst explodierender Schrei nach Liebe auf dem Schrank in der Ecke hockt, Schauer der Erschütterung. Seine mühsam von den Sozialbetreuern erkämpfte eigene Wohnung ist zu seine einzigen Refugium in einer Welt geworden, die für ihn nur aus Zurückweisung, Hass und Gewalt besteht.

          Den Zusammenprall des trauten Zuhauses in einer Welt, in der das Unbehaustsein zum Normalfall geworden ist, der nur zeitweise kaschiert werden kann, zeigt Lausund in ihren geschickt zugespitzten Geschichten. Regisseurin Heike Skiba hat sie in der perfekten Umgebung des "Königreichs" mit ihren zwei sehr wandlungsfähigen Schauspielern Samantha Hanses und Martin Macker und Natalie Böttcher am Akkordeon auf den Punkt genau in Szene gesetzt. Ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Abend.


          Godot: Das Hamburger Theatermagazin, 30.10.2014

          Zuhause
          Das Königreich

          Text: Oliver Törner | Foto: Einwirkzeit

          Ein sehr belustigender Abend. Mit 60 Zuschauern wie in einem überdimensionalen
          Wohnzimmer. Ein Theaterabend über uns und unsere Einrichtungsversuche steht im Untertitel der Hamburger Erstaufführung von Ingrid Lausunds Texten durch das Theater Einwirkzeit im Altonaer Königreich, einem eigenwilligen Einrichtungsladen. Auf den Ausstellungsmöbeln sitzt man dicht an dicht. Ein Sammelsurium von häufig schon in die Jahre gekommenem Interieur. Sofas, ein langer Tisch, Stühle, Lampen, sogar ein Auto. Das perfekte Bühnenbild zum Stück: echtes Leben, das Leben imitiert, das echtes Leben initiieren möchte. Sehnsuchtsvolle Akkordeonklänge (Natalie Böttcher) schmusen einen an, locken auf emotionales Glatteis. Und schon ist man mittendrin in sechs Geschichten um das Gestalten des eigenen Lebens in seinem Zuhause. Samantha Hanses und Martin Maecker führen uns durch von sperrigen Emotionen fast unzugänglich gewordene Gebäude der Selbstimaginationen. Wer bin ich, wenn ich die von außen an mich herangetragenen Illusionsangebote ausschlage? Was bleibt von mir? Die beiden Akteure ziehen mit Lausunds umwerfend guten Texten die allermeisten der anwesenden 60 Mitbewohner augenblicklich in ihren Bann. Lachende Selbsterkenntnis über die Annäherungsbeichte einer feschen Bloggerin gegenüber ihrer türkischen Putzfrau; Emotionswirrwarr im interkulturellen Dialogversuch. Wiederkennen im vom Marktforschern sezierten, köstlich grotesken Ikea-Addict, der Revolutionär sein möchte und doch nur absoluter Durchschnittskonsument ist. Heike Skiba lenkt ihre Inszenierung sehr geschickt und unauffällig von den sonnigen Stockwerken des Textgebäudes, durch das fröhliches Lachen schallt, Richtung Keller - auch wenn sie ihre Darsteller erstmal auf Leitern schickt. Wie unendlich mühsam, gar schweißtreibend wird es für Samantha Hanses dort, das passende Gefühl zur perfekt gestylten Sofaumgebung zu finden. Wie von einer Zwiebel pellt sie sich Emotionslage nach Emotionslage vom Gemüt und landet im Nichts - was bleibt ist eine höchst diffuse Sehnsucht nach Heimat. So wie bei Martin Maeckers beklemmendem Monolog über einen vom Schicksal Geprügelten ebenfalls Illusionen die Sehnsucht beherrschen.
          Zwar hätte hin und wieder eine Inszenierungsidee weniger illustrativ ausfallen dürfen, so wie das Akkordeon gern weniger bebildernde Begleitmusik und mehr Dialogpartner hätte spielen dürfen, so gelangt man doch zielsicher zu den Fundamenten der Zuhause-Entwürfe. Hier wabern irrwitzige Selbstmordgedanken eines Bankrotteurs ebenso wie Dekofix-überklebte, badewohlig überschäumte Katastrophenszenarien, die unseren häuslichen Idyllen (unseren kleinen Königreichen) den vorbestimmten Weg in den Abgrund deuten. Die Grundlagen unserer Egokonstruktionen sind längst morsch. Verfault. Und im Morast der Illusionen uneinsehbar versunken. Kein Trost nirgends. Ein todtrauriger Abend. Hingehen!


          Die Auswärtige Presse, 2.11.2014

          Neues Abenteuer des Theaters "Einwirkzeit"
          Zum ersten Mal in einem Möbelhaus präsentiert: "Zuhause"


          Von Hans-Peter Kurr

          Es ist wirklich abenteuerlich, an welch ungewöhnlichen Orten in unserer Hansestadt Freie Gruppen zeitgenössische Schauspieltexte auf improvisierten Bühnen zum Leben erwecken. So waren jetzt erstmalig Ingrid Lausunds Gedanken zum Leben ”moderner” Menschen, umgesetzt von der Regisseurin Heike Skiba mit dem vorzüglichen Darstellerpaar Samantha Hanses (gebürtige Italienerin und Kosmopolitin, die wir in Hamburg bereits auf zahlreichen Bühnen vom Monsun bis zum Schauspielhaus erleben durften) und Martin Maecker (Dietrich Haugks Schauspielerschmiede am Salzburger Mozarteum entsprossen) im Ottenser Möbelhaus "Das Königreich" zu sehen.
          Die drei ausverkauften Vorstellungen haben die Verantwortungsträger ermutigt, in absehbarer Zeit weitere Abende mit dieser szenischen Collage (Ein Abend über wacklige Lebensfundamente, über das Unbehaustsein in modernen Zeiten) anzusetzen. In textaufwändigen Riesenmonologen, die sie darstellerisch eindrucksvoll umsetzen, präsentieren Hanses und Maecker Lausunds ungewöhnliche Gedankenwelt souverän: Von Bild zu Bild wird der Ton grimmiger. Das alles hält sich ungeheuer dicht, trotz der Textmassen gibt es keinen Ton zu viel und keinerlei Ablenkung. Das bedeutete während der Proben auch für die Spielleiterin Skiba gewiss den totalen Verlust der Naivität, der Eindruck wird von Satz zu Satz stärker, dass Publikum, Schauspieler und Regie gemeinsam ein dialektisches Schlachtfeld betreten. Jedes Detail wird davon positiv gedanklich belastet, die Erwartung zerrt, insgeheim, an jedem Wort. Fazit: Ein beeindruckend anstrengender Theaterabend, spröde, materiell und kaum Antworten enthaltend auf die murmelnde, geheimnisvolle, verschlossene Fremdheit, die sich nach und nach im Auditorium ausbreitet. Letztendlich gelingt es allen Beteiligten, Autorin, Regisseurin, Musikerin (Natalie Böttcher, der Petersburger Mussorgsky-Musikhochschule entstammend) und Darstellern das Wort aus den Fängen der Herkömmlichkeit und der Last der Sentimentalität zu befreien.
          Chapeau!



          Mit Samantha Hanses und Martin Maecker
          Musik Natalie Böttcher (Akkordeon)
          Regie und Bühne Heike Skiba
          Regieassistenz Nina Schnackenbeck
          Dramaturgie Nina Schnackenbeck, Heike Skiba
          Technik Kalle Münster
          Einwirkzeit e.V. (www.einwirkzeit.de)

          PREMIERE 29. OKTOBER 2014


          Textrechte: Suhrkamp Theater & Medien

          Wir danken der Haspa, der SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft und dem Bezirksamt Altona für ihre Unterstützung!