Ein Wolfgang-Borchert-Abend
• Godot – Das Hamburger Theatermagazin, Mai 2011
„In Hamburg kann die Nacht nicht süße Melodien summen”,
Theater Einwirkzeit widmet sich Borchert im Michel
Wo trifft man Tote? Möglichst himmelnah, soweit oben, wie's nur geht. Und der Ort muss natürlich zum Verstorbenen passen. Wolfgang Borchert zum Beispiel begegnet man auf dem Michel: im sogenannten Türmerzimmer, in der 7. Etage des Hamburger Wahrzeichens. Dort wird des Dichters gedacht, aus Anlass seines 90. Geburtstags, den er am 20. Mai 2011 hätte feiern können. Tatsächlich wurde Wolfgang Borchert nur 26 Jahren alt, er starb 1947. Doch für zwei Stunden wird er wieder ziemlich lebendig, während einer szenischen Lesung mit Musik: „In Hamburg kann die Nacht nicht süße Melodien summen” heißt ein Wolfgang-Borchert-Programm des Theaters Einwirkzeit. Zwei Schauspieler und zwei Musiker sorgen für eine komplexe Begegnung mit dem bekannten Hamburger Schriftsteller. Bewegend, berührend und beklemmend. Der Tod war kein Unbekannter für Wolfgang Borchert. Er hatte im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gekämpft, Verwundungen überstanden und zwei Gefängnisaufenthalte überlebt. Folglich spielt das Sterben in seinen Werken eine immer wiederkehrende Rolle. In der Häufigkeit nur übertroffen von vielen Variationen über seine Heimatstadt: Hamburg kann man in seinen Texten nicht nur sehen, sondern sogar riechen und schmecken. Beim Lesen und eben auch beim Zuhören.
In der Regie von Heike Skiba agieren Maria Hartmann und Jens Wawrczeck; sie sprechen ausgewählte Gedichte und Kurzgeschichten, die sie mit Zitaten aus Peter Rühmkorfs Borchertbiografie anreichern. Diese Textlandschaft wird behutsam durchbrochen von Gesang sowie Musik von Akkordeon (Natalie Böttcher) und Trompete; die spielt Horst Huhn, im Hauptberuf Turmbläser von St. Michaelis (zu dessen Aufgaben es gehört, all abendlich aus den Fenstern eben dieses Türmerzimmers in die vier Himmelsrichtungen zu tönen).
Manchmal legt sich die Musik leise unter die Worte, wie beim „Tausendfüßler”. Doch immer gibt der Text den Rhythmus vor: „Die traurigen Geranien” stehen auf einer Hamburger Fensterbank, „Der Kuss” findet im norddeutschen Regen statt und „Die Küchenuhr” ist alles, was nach der Bombardierung einer Hamburger Wohnung übrig bleibt. Borcherts Sprache ist uneben, sperrig, randvoll mit überraschenden Wortschöpfungen, Alliterationen machen sie nur scheinbar flüssig. Sie passt in dieses Türmerzimmer des Michels, das ebenso ungewöhnlich und wenig wohnlich ist - doch einen aufregenden Ausblick aus allen Fenstern erlaubt, auf die Welt draußen. Doch zu der verliert man für zwei Stunden den (Boden)Kontakt. Und fühlt sich zur „Generation ohne Abschied” gehörig, wie Wolfgang Borchert schrieb: „Wir sind voller Begegnungen, Begegnungen ohne Dauer und ohne Abschied, wie die Sterne. Sie nähern sich, stehen Lichtsekunden nebeneinander, entfernen sich wieder: ohne Spur, ohne Bindung, ohne Abschied.”
Von Dagmar Ellen Fischer
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Waldo & Schmerl
• Hallo Hamburg, 21.10.2009
Das gab’s noch nie: im Turm von St. Michaelis, im Hamburger Michel, hat ein Theaterstück Premiere. Auf der siebten Plattform, dem „Türmerboden”, bläst der Türmer um zehn Uhr morgens und um neun Uhr abends die Trompete in alle vier Himmelsrichtungen. Hier wird zur Zeit intensiv geprobt, denn am Donnerstag, dem 5. November, ist Premiere.
Die Hamburger Schauspieler Wilfried Lehmann und Detlef Heydorn nutzen die ganzen Möglichkeiten des Bodens, um die Komödie „Waldo & Schmerl” zu erarbeiten, die der Hamburger Autor Daniel Haw vor über zehn Jahren schrieb. Da spricht Waldo und Schmerl, zwei ziemlich erfolglosen jüdischen Musikern, die seit 20 Jahren zusammen leben und sich wie ein altes Ehepaar Gemeinheiten um die Ohren hauen, plötzlich der Messias, der „Kommende”, auf den Anrufbeantworter und kündigt an, dass er mit ihnen zusammen die Welt retten will.
Boulevard-Komik um typische zwischenmenschliche Konflikte mischt sich in Haws Stück unterhaltsam mit tiefgründigem Humor. Die Gäste dürfen sich auf knappe prägnante Dialoge und zwei vielseitige Schauspieler freuen. Wie probt es sich so auf dem Michel? „Es hilft für den Weitblick ungemein”, schmunzelt Regisseurin Heike Skiba, die sich über die reibungslose Unterstützung durch die Michel-Verwaltung riesig freut. „Wir waren hier von Anfang an willkommen”, erzählt die Regisseurin. Die Theaterinszenierung produziert der vor zwei Jahren gegründete Verein Einwirkzeit e.V. „Waldo & Schmerl” wird nach der Premiere am 7., 13., 14., 19., 20., 21. Und 26. November, jeweils um 20 Uhr im Michel gespielt. (...)
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• Hanse Journal – Hamburg & Kultur, 31.10.2009
Zum ersten Mal: Theater im Michelturm
Premiere im Turm von St. Michaels: hoch oben im Hamburger Michel, wird am Donnerstag, 5. November, zum ersten Mal ein Theaterstück gespielt. Auf der siebten Plattform, dem „Türmerboden”, dort, wo der Türmer täglich zweimal auf der Trompete in alle vier Himmelsrichtungen bläst, hat die Komödie „Waldo & Schmerl” von Daniel Haw Premiere. Zwei erfolglose jüdische Musiker, die seit 20 Jahren zusammen leben und sich wie ein altes Ehepaar Gemeinheiten um die Ohren hauen, spricht der Messias auf den Anrufbeantworter und kündigt an, dass er mit ihnen zusammen die Welt retten will. Boulevard-Komik um typische zwischenmenschliche Konflikte mischt sich in Haws Stück unterhaltsam mit tiefgründigem Humor. Die Theaterinszenierung des Vereins Einwirkzeit wird nach der Premiere am 7., 13., 14., 19., 20., 21. Und 26. November, jeweils um 20 Uhr im Michel gespielt. (...)
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• Hamburger Abendblatt, 7./8.11.2009
Auf dem Türmerboden des Michel ist es ungeheuer kalt. Und doch ist er derzeit Spielstätte für die Komödie „Waldo & Schmerl” vom Hamburger Autor Daniel Haw. Heike Skiba inszenierte das Stück, das zwischenmenschliche Konflikte und religiöse Traditionen ironisch aufzeigt. Die jüdischen Musiker, gespielt von Wilfried Lehmann und Detlef Heydorf, beantragt der Messias per Anrufbeantworter, den Weltfrieden herzustellen. Daraufhin wetteifern die beiden darin, vor dem anderen keine Schwäche zu zeigen und sich an Gläubigkeit zu übertreffen. Dabei entdecken sie Respekt und Zuneigung füreinander. So ist zumindest ein Stück Welt gerettet. (hpks)
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• Hallo Hamburg, 18.11.2009
Er kündigt sich per Anrufbeantworter an und will mit zwei jüdischen Musikern die Welt retten. Der Messias, der „Kommende”, auf den die Juden unverändert warten, erhebt seine Stimme auf dem Türmerboden im Michel – in der Komödie „Waldo & Schmerl” von Daniel Haw, die hier kürzlich Premiere hatte. Unter der Regie von Heike Skiba begeistern Wilfried Lehmann und Detlef Heydorn als Musiker Waldo und Schmerl, die seit 20 Jahren durch die Provinz tingeln und sich angiften wie ein altes Ehepaar. Heydorn (Waldo) gibt souverän den überlegenen, die Welt verachtenden Künstler, während Lehmann als wuseliger Schmerl auch mit Gesang und Tänzchen zu überzeugen weiß. Als dritter Darsteller beeindruckt der Türmerboden, den Heike Skiba genau passend zum Stück ausgewählt hat. In der Pause, exakt um 21 Uhr, kommt übrigens noch jemand: der Türmer, der in alle vier Himmelsrichtungen seine Trompete bläst. (...)
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• Hinz & Kunzt 201, November 2009
„Die Welt ist ein enttäuschender Pups”, stellt Waldo frustriert fest. Auch Kollege Schmerl hat die besten Tage längst hinter sich. Die beiden jüdischen Musiker touren seit 20 Jahren gemeinsam durch die Provinz, träumen von einem bessern Leben und hauen sich Gemeinheiten um die Ohren. Da spricht ihnen der Messias auf den Anrufbeantworter: Er möchte mit ihnen die Welt retten. Die Komödie „Waldo & Schmerl” stammt von dem in Hamburg geborenen jüdischen Dramatiker Daniel Haw. Inszenierung wird sie von der Gruppe „Einwirkzeit” an einem ungewöhnlichen Ort: dem Turm des Michel.
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DIE RATTEN von Gerhart Hauptmann
• Hamburger Morgenpost, 30.01.2008
Sehenswert: „Die Ratten” im Monsunt
Der Hamburger Regisseurin Heike Skiba gelingt mit überzeugenden Spielern eine dichte Inszenierung, die im nahezu leeren Raum mit wenigen Requisiten auskommt. So kann die Kälte zwischen den Menschen merklich an den Wänden hochkriechen. Dabei ist die Herzlosigkeit unter den Hochdeutsch sprechenden Bürgern genauso verbreitet wie in der berlinernden Arbeiterfamilie. Zweieinhalb Stunden sehenswertes Theater. (def)
Dagmar Fischer
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• BILD HAMBURG, 26.01.2008
Ottensen - Mit seiner Inszenierung von „Die Ratten” hat der Kulturverein „Einwirkzeit” ein tolles Debüt hingelegt. Spannend wie ein guter Tatort.
Am Premierenabend war das Monsun Theater bis auf den letzten Platz besetzt, das Publikum schaute gebannt nach vorn. Das Stück von Gerhart Hauptmann erzählt die Geschichte von Pauline, einem armen Dienstmädchen, das sein Baby der unheimlichen Frau John überlässt. Offiziell nur zur Pflege - doch bald gibt Frau John das Kind als ihr eigenes aus...
Vor allem Leena Fahje als Frau John kann voll überzeugen: Je länger man ihr zuschaut, desto gruseliger wird einem!
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• Hamburger Abendblatt, 26.01.2008
Hamburg - Ein Berliner Mietshaus. Oben streiten Theaterdirektor und Pastorensohn über das Gute im Menschen, im Erdgeschoss kämpfen zwei Frauen verzweifelt um ein Baby. Hauptmanns Milieustudie „Die Ratten” (1911), bei vielen als „Naturalismus-Schinken” verschrien, kreist um Sehnsüchte, Egoismus und Lügen.
Regisseurin Heike Skiba hat das Stück textgetreu und konventionell auf die Bühne des Monsun-Theaters gebracht. Sie kann auf solide Schauspieler (einigen macht der breite Berliner-Icke-Dialekt zu schaffen) und eine starke Hauptdarstellerin setzen. Leena Fahje spielt Frau John mit einem harten Zug um den Mund – und vor Kummer bebenden Schultern. Es sind die Schicksale der Figuren, aus denen „Die Ratten” heute noch ihre Kraft beziehen. (jac)
Karoline Jacquenin
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